Unsere Buecherherbst-Leser koennen sich sicher noch an das wunderschoene Buch ueber den Klostergarten erinnern. Nun hat uns der Michael Imhof Verlag zwei weitere Buecher dieser Reihe vorgelegt. "Das Leben im Kloster - Ein Benedik- tinermoench im Mittelalter" von Annette Adelmeyer. Durch das Stolpern ueber einen dicken Stein bei einem Wald- spaziergang wird eine kleine Leder- tasche mit einem Buch darin gefunden. Der Fund birgt eine kleine Sensation. Das Buch ist in einer sehr alten Schrift in lateinischer Sprache ver- fasst. Wie sich spaeter herausstellt, ist es eine Abschrift vom Buch der Koenige aus der Bibel. Aber zwischen die Seiten gelegt findet sich auf Pergamentresten das Tagebuch eines Moenches. Es umfasst die Jahre zwischen 1012 und 1030. Der Moench, Ebbo, be- richtet ueber sein Leben im Kloster Waldmoorzell, in das er von seinem Vater schon als siebenjaehriges Kind gebracht wird.- Das Buch erzaehlt nun vom Leben dieses Jungen im Kloster. - Eingebettet sind immer wieder Passagen aus dem Tagebuch, womit Ebbo selbst zum Erzaehler wird. Und wie bereits im ersten Buch gibt es auch hier zu jedem Kapitel am rechten oberen Rand der Doppelseite eine Erklaerung bestimmter Begriffe wie z.B. Oblate, keine Back- nterlage wie Sie vielleicht glauben, sondern die Bezeichnung fuer die jueng- ten Kinder im Kloster, oder Oratorium, die Gebetsstaette des Klosters, kein Musikstueck, oder Scriptorium, Schreib- tube, und viele mehr.- Wir erfahren sehr viel Interessantes ueber das Klos- erleben der Benediktiner. Sie leben nach alten Benediktinerregeln, deren 13 Stufen das Verhalten und Zusammenleben genau vorschreiben. Allerdings ist der Hauptanteil des Tagesablaufs dem Gebet vorbehalten, koerperliche Arbeit ist im Gegensatz zu frueherem Klosterleben mit der Hauptregel @ora et labora@ auf 3 bis 4 Stunden pro Tag reduziert. Dem kleinen siebenjaehrigen Oblaten Ebbo faellt es anfangs recht schwer, sich einzufuegen. Er stammt aus einem adligen Haus und vermisst Vieles, was ihm vorher selbstverstaendlich war. Seine Kleidung ist nun aus rauher Wolle, sein Platz bei Tisch ist am untersten Ende der Tafel, niemand ver- neigt sich vor ihm, dem Grafensohn, stattdessen muss er gesenkten Hauptes und mit wenigen Ausnahmen schweigend seinen Pflichten nachgehen und, wenn er einem aelteren Moench gekraenkt hat, sich zu dessen Fuessen werfen. Sein ganzes Leben spielt sich nun fast ausschliesslich im innersten Teil des Klosters, der Klausur, die allein den Moenchen vorbehalten ist, ab. Nur an einem Tag in der Woche darf er mit anderen Kindern im Freien spielen und das nur bis er zwoelf wird.- Die Autorin hat jedem Lebensbereich des Klosters einen groesseren Abschnitt mit mehreren Kapiteln gewidmet. So fuehrt sie den Leser sehr anschaulich durch das Klosterleben, unterstuetzt von den bezaubernden und mit viel Komik aus- gestatteten Illustrationen von Thomas Siebenhaar. Auch die niedliche Maus, die wir schon aus dem ersten Buch kennen, begleitet uns wieder. X