

Fuer kalte Winterabende und graesslich nasskaltes Wetter hier ein Buch, das uns all dies vergessen laesst und uns in angenehmere Gefilde entfuehrt: "Die Loire, des Lebens ganze Suesse", ein Reisebuch von Leo G.Linder. Im Unter- titel heisst es "Ein Reisebuch fuer Weinliebhaber und Geniesser feiner Speisen", aber das trifft es nur zum Teil, denn dem Leser wird auch die ganze Schoenheit der Landschaft ver- mittelt.- Der Autor beginnt seine Reise an der Loire-Muendung in der Bretagne bei Le Croisic. Fuer ihn ist die Loire die Koenigin unter den Fluessen Europas. Und wenn man sein Buch liest, glaubt man das auch. Man merkt, dass hier einer unterwegs ist, der gewohnt ist, genau hinzusehen. So ist es auch, Lindner ist (u.a.auch) Kameramann und er hat obendrein noch die Gabe, das Gesehene so lebendig und farbig zu schildern, dass der Leser mit seinem inneren Auge dieselben Bilder sieht.- Nach einem Blick auf die Atlantikkueste mit ihren vorgelagerten Inseln mit den Kormorankolonien und einem Gang durch die Markthalle von Le Croisic kommen wir zu den Salzgaerten von Guerande, wo das kostbare Meersalz noch heute von Hand geerntet wird. Und es wird uns gleich der erste Leckerbissen serviert, Poularde in grobem Salz. Fuer uns ganz ungewohnt, wird die Poularde voellig in Salz eingehuellt im Backofen geschmort. Auf diese Art bleibt sie schoen saftig. Danach geht es weiter, vorbei an la Baule nach St.Nazaire und wir bestaunen die riesige St.Nazaire-Bruecke. Dann ein Abstecher nach Nantes, das einmal das Zuckermonopol fuer ganz Frankreich besass und eine bluehende Stadt war, heute leider heruntergekommen ist, aber immer noch Feinschmeckerrestaurants und Galerien beherbergt. Jules Vernes wurde hier auf der damals noch vorgelagerten Insel @Ile Feydeau@ geboren.- Wir kehren ein im "La Cigale", einem be- liebten Treffpunkt der Nanteser Buerger und geniessen Jakobsmuscheln mit Kar- toffeln und geraeucherter Speckwurst, serviert vom Kuechenchef Gilles Re- nault, dazu einen Jahrgangsmuscadet sur Lie. Dieser Wein wird hier angebaut und die Winzer haben es nicht leicht, denn hier sind die Reben Klimaschwankungen ausgesetzt und es waechst nur die weniger aromatische Melontraube. Den- noch entsteht daraus ein guter Wein.- Das war erst der Anfang der Reise. Es gibt noch viel zu sehen und zu ver- kosten. Wir lernen ganz unterschied- liche, liebenswerte Menschen kennen, die hier abseits von moderner Hektik leben und arbeiten. Hier entstehen zum Beispiel koestlicher Ziegenkaese oder Foie gras aus Entenstopfleber, die wohl nur noch hier angeboten wird, denn das Entenstopfen ist inzwishen in anderen Laendern verboten. Allerdings, so liest man, werden die Enten hier so schonend wie moeglich behandelt. Dann gibt es hier natuerlich die vielen Winzer, die mit viel Liebe ihre Weine produzieren, oft nur relativ kleine Mengen, dafuer aber von erlesener Qualitaet. Und nicht zu vergessen die vielen Koeche, ob in Bistro oder Gour- mettempel, die mit ihren aus den Produkten der Region kreierten Koest- lichkeiten das Herz aller Gourmets hoeher schlagen lassen. Eine Menge ih- rer Rezepte findet man in diesem Buch und kann sich damit ein wenig vom Flair der Loire ins Haus holen. Bevor das Quellgebiet der Loire erreicht wird liegen noch viele Sehenswuerdigkeiten am Weg. Bei Saumur gehen wir unter die Erde. Ganze Doerfer mit Wohnhaeusern, Kirche, Hospital, Schule usw. sind hier in den weichen Tuffstein hineingebaut. Warum das so ist, wie auch viel zur Ge- schichte der Landschaften und histori- schen Schloesser und anderer Bauwerke entlang des Flusses, koennen Sie alles selbst lesen. Auch Spuren beruehmter Maenner und Frauen der Geschichte sind zu finden, wie Balzac, Leonardo da Vinci oder die heilige Bernadette.- Zum Ende der Reise gehts ganz schoen hoch, die Loire entspringt in etwa 1500 Metern Hoehe am Gerbier de Jonc, einem schaetzungsweise 6.300.000 Jahre alten Vulkankegel. Kurioserweise gibt es zwei Quellen, um die sich die Einheimischen streiten. Jede Gruppe haelt ihre Quelle fuer die einzig wahre. Egal, wer nun recht hat, der Aufstieg hat sich gelohnt, bei klarer Sicht hat man einen fantastischen Blick auf das Rhonetal im Osten und die Loire im Westen. Und zum Abschluss gibts als Kroenung eine Spe- zialitaet aus dem Quellgebiet, Hei- delbeertorte.- Was wir unbedingt noch erwaehnen wollen, sind die ausgezeich- neten Fotos. Nur schade, dass sie nur so klein abgebildet sind.- X