Der Henschel-Verlag legte uns den Bild- band "Die Dresdner Frauenkirche" von Klaus W.Sitzmann vor. Das Sachbuch be- handelt das Thema des Wiederaufbaus der Frauenkirche in der interessanten Phase ab Bau der Kuppel. Dem Autor gelangen Bilder von sehr grosser Ein- dringlichkeit. Der Wiederaufbau dieser Kirche setzte die kongeniale Rekon- struktion des Zwingers, der Semperoper, des Schlosses und anderer wichtigen kulturellen Gebaeuden fort. Die DDR begann mit Zwinger, Semperoper und Teilen des Schlosses und bereitete da- mit den gigantischen Wiederaufbau des Kerns von Elb-Florenz vor. Als der Redakteur dieses Artikels am 13.Februar 1985 eine Stadt-Rundfahrt machte, er- klaerte die Reiseleiterin, als wir an der Ruine der Frauenkirche vorbeifuh- ren, dass man die Steine aufgestapelt haette, damit sie "keine Beine bekae- men". Dann begann der Wiederaufbau, zuerst die Unterkirche, dann die sub- tile Rekonstruktion des Bauwerks. Das Buch entfuehrt den Leser zur wohl schwierigsten Phase des Kuppelbaus und der sogenannten Laterne. Man muss wis- sen, die Frauenkirche war uersprueng- lich mit einer Holzkuppel geplant. Der Baumeister Baer musste auf Geheiss August des Starken dann eine Steinkup- pel konstruieren. Das Gewicht war zu hoch, es gab Steinermuedungen im Trag- werk der Pfeiler im Inneren. 1939 wurde die Kuppel in der Ablastung veraendert. Am 13.Februar 1945 ging die Frauenkir- chew, wie die ganze Stadt, im Inferno unter. Beim jetzigen Wiederaufbau hat man die Last der Kuppel auf Pfeiler UND Aussenmauern verteilt und hat damit das Problem der urspruenglichen Kirche be- seitigt. Der geneigte Leser darf stau- nend die Aufmauerung der inneren und aeusseren Kuppel ueber ein sogenanntes Lehrgeruest miterleben. Die Praezision der Kuppel konnte nur durch komplette Verhuellung der Baustelle bewirkt wer- den. So wurden enorme Temperaturunter- schiede waehrend des Aufmauerns der Kuppel vermieden, damit keine unkon- trollierten Spannungen auftraten. Ge- radezu opulent werden die einzelnen Gewerke vorgestellt. Allein die Kuppel findet sehr viel Platz im Buch. Im Ge- gensatz zur damaligen Zeit wurden mo- dernste Bauverfahren mit alten Hand- werkskoennen vereint und damit erst in dieser schluessigen Form erst moeglich. Das Abfangen der Zentrifugalkraefte VERTIKAL AUF PFEILER UND AUSSENMAUER war eine Meisterleistung, sie konnte durch eine konstruktive RINGLOESUNG realisiert werden. Das Buch zeigt dem Leser die ganze Abfolge bis zur Fertig- stellung in unglaublich schoenen Bil- dern. Fuer Freunde von Dresden ist dieser Kunstband ein traumhaftes Ge- schenk. X